Donnerstag, 30. April 2015

Autoren und Werbung - "Rechnet sich das denn?"

Gerade als Self-Publisher ist man nicht "nur" Autor, sondern eben auch seine eigene Marketing-Abteilung. Und diese kümmert sich um so schnöde Dinge wie den Umstand, mit Aktionen potenzielle Leser zum Kauf zu animieren.

Werbung hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie zumeist mit Geldausgaben verbunden ist. Ohne Ausgaben keine Einnahmen. Da fragt man sich als Autor natürlich schnell, wie viel Geld man ausgeben soll, wofür und ... - rechnet sich das denn?

Dazu muss man grundsätzlich verstehen, was Werbung oder Marketing eigentlich bewirken kann und was nicht. Und dabei gilt es, das Ziel und den Zweck von Werbung zu unterscheiden bzw. sich vor Augen zu führen.


  • Das Ziel ist ganz klar, ein Produkt zu verkaufen, z.B. den eigenen Roman.

    aber

  • Der Zweck ist, sich und sein Produkt bekannt zu machen oder wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Diese Unterscheidung muss man sich vor Augen führen.
Ein ausgegebener Euro an Werbung führt nicht zu einem eingenommenen Euro (oder besser mehr) an Verkäufen. So funktioniert das nicht! Und so darf man auch nicht rechnen. (Natürlich sollte man nicht mehr Geld für Werbung ausgeben als man durch Verkäufe wieder einnimmt ...)


Nehmen wir einen Kugelschreiber mit Werbeaufdruck, auch unter Autoren ein gerne genutztes Marketinginstrument, selbst heute noch.

Das Ziel des Kugelschreibers ist, dass jemand den so toll findet, dass er/sie daraufhin am besten umgehend unseren Roman kauft. Aber, ernsthaft: was ist an einem Kugelschreiber schon toll? Es sei denn, er ist aus 24 Karat Gold (wer welche anbietet, bitte an meine Adresse, danke!).

Der Zweck wiederum ist, dass wir etwas haben, was wir anderen Menschen in die Hand geben können.
Und das ist das eigentlich Entscheidende.
Er ist etwas, das sie mitnehmen können, um sich an uns zu erinnern (auch wenn sie das bewusst vielleicht gar nicht vorhaben, vor allem unentschlossene Leser). Womit wir eine Verbindung zu ihnen aufbauen können. Vielleicht sogar ein paar Worte wechseln können. Uns ihnen bekannt machen und hoffentlich auch bekannt oder sogar in guter Erinnerung bleiben.

Was auch die Auswahl an Werbemitteln (bleiben wir bei diesen greifbaren Objekten) beeinflusst.
Bei mir zu Hause stapeln sich in einer Schublade Postkarten und Lesezeichen. Ich behalte sie als Anschauungsobjekte. Aber genutzt oder gar einen Roman gekauft habe ich wegen ihnen noch nie.

Aber ich sehe die Cover, die Namen der AutorInnen und die beworbenen Romane.
Ich habe auch eine in meinem Beisein signierte Postkarte von Emily Bold mit Herzchen, und die behalte ich auch. Warum? Weil mir der Mensch Emily Bold damit positiv in Erinnerung bleibt. Ein Faktor, den man in keinster Weise verrechnen oder berechnen kann.

Werbung / Marketing spricht Menschen auf einer grundsätzlichen Ebene an. Es gibt nur zwei Grundtriebe, die uns leiten:

Bedarf und Bedürfnis

Zum Bedarf gehört alles, was wir zum Leben brauchen: Essen, Trinken, Medizin, ein Dach über dem Kopf. Zum Bedürfnis all jenes, was uns das Leben angenehmer macht, was wir aber nicht wirklich brauchen. Wie eine signierte Postkarte. Oder einen Roman.

Autoren können im Allgemeinen den Bedarf eines Lesers nicht stillen, weder mit Lesehunger noch mit Wissensdurst. Aber sehr wohl sein Bedürfnis - nach Unterhaltung, nach Entspannung, nach Abenteuer, nach Action.
Das sind alles emotionale Aspekte. Also müssen wir unsere Leser auch dort erreichen. Und das gilt eben auch für die eingesetzten Marketing-Aktionen. Seien es Werbeartikel oder Textbeiträge oder Bannerwerbung.

Sie sprechen Leser auf der Gefühlsebene an.
Und Gefühle haben wir nur für jemanden, dem wir uns in irgendeiner Weise verbunden fühlen. An den wir uns gerne erinnern. An gemeinsam erlebte Augenblicke. Oder eben eine Postkarte, die eine Autorin in unserem Beisein extra für uns signiert.

Vordergründig geht es ums Geld. Unter dem Strich aber um eine emotionale Bindung.
Gutes Marketing knüpft und schafft Beziehungen zwischen Lesern und Autoren. Wie viel man dabei investieren kann - an Geld wie an Emotionen - und wie sehr sich das für einen lohnt, das kann nur jeder Autor für sich entscheiden.

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