Dienstag, 20. Januar 2015

Warum sich Heftromane als eBooks kaum lohnen

Zur Phantastik bin ich als Lesern in den 1980ern durch Heftromane gestoßen.
Ich war schon immer ein Serienfan und habe kurze, knackige Inhalte gemocht, die sich an einem Nachmittag wegschmökern ließen (was auch mein Faible für Pulp-Romane/-Magazine des frühen 20 Jahrhunderts erklärt).

Bereits zu Fan-Zeiten habe ich daher natürlich versucht, selbst etwas in der Richtung auf die Beine zu stellen. Und lange Zeit war für mich das eBook der perfekte digitale Nachfolger des Heftromans. Der Vertrieb war einfach, die Herstellung günstig - aber trotzdem bin ich inzwischen davon abgekommen.
Weil es sich kaum rechnet.
Gedruckte Heftromane verdienen ihr Geld nur durch die Masse.
Früher wurden sie oftmals nachts in einer Druckerei hergestellt, sobald die Großaufträge fertig waren, um die Leerzeiten auszufüllen. Daher auch das Zeitungspapier und die 64 Seiten Standard, die sich durch die Faltung der Druckbögen ergab.

Und bei eBooks bzw. digitalen Heftromanen ist das grundsätzlich nicht anders - das mit der Masse.
Vor allem, wenn man sie als unabhängiger Autor herstellen möchte.

Ich bräuchte zum Schreiben eines Heftromans mit ca. 180.000 Zeichen ungefähr zwei Wochen, wenn ich mich ranhalte. Das heißt, ich könnte zwei im Monat schaffen. Die perfekte Grundlage für eine zweiwöchentliche Serie also.

Als Single und Selbstständiger belaufen sich meine monatlichen Lebenshaltungskosten auf ca. 1500 Euro (mehr als die Hälfte davon alleine für Miete und Krankenkasse).
Ein einzelner Roman müsste mir also 750 Euro einbringen, um diese Kosten abzudecken. Netto, nach Abzug Steuern. Also müsste er eigentlich eher um die 1000 Euro einbringen. Das Finanzamt braucht schließlich auch neue Schuhe.

Im Augenblick beträgt der Standardpreis für einen Heftroman als eBook 1,49 Euro. Orientieren wir uns also an diesem, um konkurrenzfähig zu sein.
Bei 1,49 Euro Verkaufspreis erhalte ich über einen Shop wie Thalia oder Weltbild eine Auszahlung von 60 Cent ausgezahlt.
Bei Amazon über KDP ist es sogar noch weniger, nämlich 44 Cent, also bietet es sich an, die Auslieferung auch an Amazon über einen Vertrieb vorzunehmen. ("Kindle Unlimited" ermöglich hier allerdings eine bizarr anmutende Option, dazu später)

Nehmen wir also (lieber) die 60 Cent.
Um also alleine meine laufenden Kosten zu decken, muss sich jedes eBook 1667 Mal verkaufen. Das ist nicht unmöglich, aber doch schon eine respektable Vorgabe.

In dieser Berechnung ist aber eines noch überhaupt nicht berücksichtigt: etwaige Kosten für Cover und Lektorat. Für ein gutes handgemachtes Cover muss ich 200 Euro hinlegen, für ein Lektorat bei dem Umfang 300 bis 400 Euro.
Nehmen wir 300 Euro (Lektoren lieben es, wenn man den Preis drückt ...), damit entstehen weitere Kosten von 500 Euro netto.

Damit muss ein digitaler Heftroman genau 2500 "Exemplare"verkaufen, um sich zu rechnen. Band für Band aufs Neue.
Auch das ist nicht unrealistisch bzw. unmöglich. Sogar der deutsche eBook-Markt ist inzwischen groß genug dafür. Aber es ist doch eine sehr ambitionierte Größe.

Verlage wie Bastei oder VPM haben zwei Vorteile:
  • ihre Backlist an abertausenden Titeln
  • die Mischkalkulation mit den nach wie vor erscheinenden gedruckten Ausgaben
Diese habe ich als Self-Publisher normalerweise nicht. (Ich kenne wiederum zwei gestandene Heftroman-Autoren, die alleine durch ihre Backlist ein solides Einkommen einfahren, aber an der haben sie eben auch jahrzehntelang geschrieben).

Sieht man diese Kosten bzw. die Einnahmen, drängen sich natürlich zwei Fragen unweigerlich auf: wo kann ich Kosten einsparen und wie kann ich mehr einnehmen?

Sparen
Die Kosten einsparen kann ich an den zusätzlichen anfallenden Ausgaben, also eben Cover und Lektorat. Am Cover sparen leider viele Beteiligte ein, falls sie keine Rechte mehr an den Original-Titelbildern haben, Verlage wie Self-Publisher.
Was sich da graphisch bietet, schmerzt. Mich zumindest. Ich würde mir die Ausgaben nicht zulegen, da ich sie schon am Kiosk nicht in die Hand genommen hätte.

Am Lektorat sparen - erfahrungsgemäß - auch beide ein. Zumindest an einem Nachlektorat oder wenigstens einem Korrektorat. Nicht jeder war so ein engagierter Redakteur und Lektor wie Schelwokat von Pabel, dass sich die Heftromanvorlage ohne Bearbeitung übernehmen lässt. Zudem Scans einiges an unschönen Fehlern einbauen.

Einnehmen
An den Auszahlungsmargen kann man kaum etwas ändern. Also bleibt nur die Suche nach alternativen Konzepten.
Und hier wäre die von Amazon eingeführte Flatrate "Kindle Unlimited" eine Option, in der sich Leser für einen Pauschalpreis von 9,99 Euro im Monat sattsam eindecken können.
Amazon zahlt nicht abhängig vom Verkaufspreis aus, sondern einen Festbetrag, der sich jeden Monat neu berechnet. Aktuell sind es 1,21 Euro, unabhängig davon, ob ich ein Kalenderblatt oder ein Werk wie "Krieg & Frieden" veröffentliche.
Es ist ökonomisch ein völlig ungerechtes Konzept, bei dem jede(r) Autor(in) selbst überlegen muss, ob man daran teilnimmt. Für kurze Titel zu einem günstigen Preis allerdings bietet es sich an (was natürlich noch lange nicht heißt, dass sie ausgeliehen werden).

Da der Auszahlungsbetrag aber Monat für Monat neu berechnet wird, hat man hier keine verlässliche Größe, mit der man planen kann.
Zudem das Murren von Romanautoren gerade in den USA laut wird. Ob Amazon diese Pauschale, unabhängig vom Umfang, also auf Dauer durchhalten wird, kann mit einem Fragezeichen versehen werden.
Wer kann, soll es jetzt nutzen. Aber jetzt mit neuen Romanen für die Zukunft darauf hinzuarbeiten, halte ich für ein Vabanquespiel.

Obwohl sich eBooks also im Prinzip deutlich günstiger herstellen und grundsätzlich leichter vertreiben lassen als gedruckte Heftromane, bleibt unter dem Strich, dass sie sich ebenso nur über die Masse rechnen. Schreibe ich hingegen Taschenbücher, kann ich diese deutlich hochpreisiger anbieten und spiele meine Kosten schon mit deutlich geringeren Verkaufszahlen wieder ein.

Digitale Heftromane haben natürlich einen entscheidenden Vorteil: sie werden nach ein oder zwei Wochen nicht aus dem Verkauf genommen.

Als Self-Publisher verbleiben die Nutzungsrechte bei mir. Solange ich die Titel zum Verkauf anbiete, können sie ihr Geld auf lange Sicht gesehen wieder einspielen. Man muss nur eben den entsprechend langen Atem mitbringen ...

Kommentare:

  1. Wie wäre es, drei Heftromane in einem Band zu veröffentlichen? Habe ich bei Amazon von Jessica Stein gesehen (für 3, 32 EUR). Da fallen die Kosten für das Cover nur einmal an, und man bringt bestenfalls gleich drei Exemplare an den Mann/an die Frau.

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    1. Wenn man mal ausreichend Material vorliegen hat, kann man damit ganz anders umgehen, hat mehr Spielmöglichkeiten und kann eine ganz andere Rechnung anstellen. Backlist ist alles.

      Es geht mir ja konkret über die Überlegungen, mit neuen Romanen von Null aus ins Rennen zu gehen.

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  2. Na ja das mit dem Cover. Ein super gutes Cover kriegt man schon einfach hin, wenn man ein Shutterstockbild auswählt (kostet 3 Euro) und es gut mit Titel etc. versieht. Machen viele Verlage auch nicht anders. Und für ein "Heftroman" eBook reicht das allemal. Völliger Unsinn, hier 200 Euro und mehr für ein handmade cover auszugeben. Machen ja nicht mal mehr Heftromanverlage. Cora, auch Bastei und Kelter bringen das heute zum Großteil so. Muss eben nur gut sein. Und eben nicht wie Heftroman aussehen bei einem ebook. Dann klappt es auch mit den Verkäufen.

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    1. Es gibt sehr schöne Bildmotive aus Fotodatenbanken für drei Euro (oder sogar weniger). Als "super gute Cover" würde ich sie deshalb noch nicht bezeichnen. Ebenso das "gut mit Titel versehen" sollte beherrscht sein.

      Dass Bastei solche Bildvorlagen nutzt, sagt eher etwas über die Verdienstspanne bei Heftromanen aus als über die gewünschte Optik. Kelter nudelt seinen Fundus regelmäßig durch, bei Cora wäre mir noch kein Motiv aus einer (günstigen) Fotodatenbank begegnet.

      Zudem ich bereits in meinem Einstiegssatz auf die Phantastik abziele. Und hier sind gute und günstige Motive deutlich rarer gesät.

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