Sonntag, 13. April 2014

Denk daran, es geht um Menschen …

Es macht einen großen Unterschied, ob man einen Ansatz kennt oder ob man ihn wirklich versteht. Und im besten Fall auch verinnerlicht hat. Und das betrifft auch die nicht ganz unwesentliche Frage, was einen Leser überhaupt dazu bringt, deine Romane zu lesen.
Auf dem 1. Self-Publishing-Day hat Johannes Zum Winkel von xtme mit seiner mehrjährigen Erfahrung im eBook-Marketing eine für mich sehr aufschlussreiche Präsentation vorgelegt. Die ärgerlicherweise nichts anderes enthielt als Selbstverständlichkeiten. Aber auch diese muss man ja erst einmal verinnerlichen.

Es ist die Frage, was einen Leser überhaupt für deinen Roman interessiert, unabhängig davon, ob er digital oder gedruckt erscheint. Die Frage, was man in den Klappentext schreiben sollte, um den Leser zu fesseln.

Die Frage, welcher Aspekt eigentlich den Leser dazu bringt, deinen Roman zu kaufen.

Johannes hat dazu ein Zwiebelschalenmodell genommen, das ich nun in den für mich wichtigen Punkten wiedergebe.
Die äußerst Hülle bildet das Genre.
Es ist gut, wenn der Leser weiß, was ihn grundsätzlich erwartet. In einer Science-Fiction-Geschichte werden andere Elemente auftauchen als in einem Western. Das kann schon ausreichen, um den Leser zum Kauf zu bewegen, aber es ist eher unwahrscheinlich. Das Genre ist weniger wichtig, als man denkt.
Als nächste Schicht kommt die Rahmenhandlung und ihre Ausrichtung.
Spielt die Geschichte in einer Stadt, auf dem Land, im Weltall, einer fremden Welt, in der Gegenwart, in der Vergangenheit, usw.? Ist sie humorvoll, nachdenklich, voller Action? Ein actiongeladener Roman auf dem Land wird den einen Leser eher ansprechen, ein humorvoller, der in der Stadt spielt, den anderen.
Das umreißt das Bild schon besser – aber was macht deine Romane so ansprechend, dass es sich lohnt, dafür Geld hinzulegen?
Damit komme ich zur inneren Schicht, dem emotionalen Kern.
Science-Fiction-Romane gibt es viele. Actionsgeladene auch. Solche, die im Weltall spielen, erst recht. Was unterscheidet also diese Romane im Kern voneinander?

Das Schicksal der handelnden Personen.
Das ist es, was den Leser unter dem Strich interessiert. Wie sind die Menschen in diese Situation geraten? Was sind das überhaupt für Personen? Wie gehen sie mit den Konfrontationen im Roman um? Wie prägt oder verändert es sie?

Das alles klingt nach Selbstverständlichkeiten?
Ja, das tut es. Nur kann das je nach Genre schwieriger sein, sein Augenmerk darauf zu richten. Und sich nicht in der Beschreibung fremder Welten oder der Ausschmückung exotischer Kulturen zu verlieren. Oder der Brustbehaarung des (dann wohl) männlichen Hauptdarstellers …
Diese sind nichts anderes als Beiwerk. Requisiten, wie beim Film. Unbedingt nötig, um für ein stimmiges Bild zu sorgen. Aber niemals der Kern der Geschichte. Sie können es weder sein noch ihn ersetzen.

Im Prinzip ist mir das als Zeichner bewusst. Und ich sehe mich aufgrund meiner Vergangenheit eben als Zeichner, der schreibt. Nur gerade als Zeichner ist für mich die grafische Gestaltung, das Setting, das Szenario, so entscheidend, dass ich vor lauter Blick auf den Hintergrund gerne diejenigen aus den Augen verliere, um die es eigentlich geht: die Menschen in diesem Szenario.
Um ihren individuellen Hintergrund, ihre Stärke und Schwächen, Ängste und Wünsche.
Erst diese Aspekte sind es, mit denen sich ein Leser auseinandersetzen kann – und will. Vielleicht kauft er den Roman nach der Leseprobe oder dem Klappentext nicht, weil ihm die Hauptfigur nicht zusagt. Das ist schade, aber andererseits eine Aussage, offenbar einen Charakter beschrieben zu haben, der auch Widerspruch auslöst.

Unter dem Strich geht es um nicht mehr und nicht weniger als die Menschen in der Geschichte.
Beschreibe ich z. B. überzeugend einen jungen Mann, der seine Selbstzweifel überwindet und bereit ist, für seine Ideen einzustehen (nein, kein aktuelles Projekt ;) ), dann ist das wohl für die meisten Leser wichtiger als die Frage, wann und wo dieser Roman spielt.
Und es ist vor allem das, was die eigenen Romane einzigartig macht. Raketen in den Weltraum schicken, kann jeder Autor. Aber welche Charaktere ich in den Weltraum schicke, das entscheide ich individuell als Autor.

Der Weltraum wird es sein, der den Leser reizt. Überzeugen und binden werden ihn dann aber die Menschen, auf die er beim Lesen stößt.

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